Wie begeistert man junge Menschen für eine Lehre? Regionale Betriebe haben gute Möglichkeiten, Ausbildung greifbar zu machen: mit Einblicken in den Arbeitsalltag, einem Team zum Kennenlernen und klaren Antworten auf konkrete Fragen. Eine aktuelle Befragung der FH Oberösterreich und Beobachtungen aus Urfahr-Umgebung liefern dafür interessante Anknüpfungspunkte.
Was die Gen-Z-Befragung zeigt
Die FH Oberösterreich berichtet in ihrer Veröffentlichung vom 29. Mai 2026 von einem sinkenden Interesse der Generation Z an MINT-Berufen – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Zwischen 2023 und 2026 beträgt der ausgewiesene Rückgang bei Männern rund 7,2 Prozent, bei Frauen rund 5,8 Prozent. Auch andere Berufsfelder verzeichnen Rückgänge.
Die Onlinebefragung wurde im März 2026 mit insgesamt rund 1.000 Personen durchgeführt; die Stichprobe war nach Alter, Geschlecht und Bundesländern quotiert. Sie beschreibt einen österreichweiten Befund. Welche Ausbildung ein einzelner Jugendlicher im Mühlviertel anstrebt, lässt sich daraus nicht ableiten.
Handwerk und Technik bleiben vor Ort gefragt
Ein Bericht von MeinBezirk vom 23. September 2026 bringt die regionale Perspektive ein: Bei einer spontanen Abfrage in zwei Fachbereichsgruppen der Polytechnischen Schule Bad Leonfelden wurden häufig klassische Handwerksberufe genannt. Auch aus den PTS Ottensheim und Neufelden schildert der Bericht technische Berufswünsche.
Diese Einblicke zeigen vorhandenes Interesse. Sie sind allerdings keine repräsentative Befragung des gesamten Mühlviertels und belegen keinen regionalen Gegentrend zur FH-OÖ-Studie.
Nach den im Bericht wiedergegebenen Beobachtungen der Bad Leonfeldner Schulleiterin Elfi Draxler spielen Arbeitsklima, abwechslungsreiche Aufgaben, Bezahlung und Freizeit eine Rolle. Einige Jugendliche wünschen sich außerdem, bereits jemanden im Betrieb zu kennen oder gemeinsam mit Freunden eine Lehre zu beginnen.
Vier Ansatzpunkte für Lehrbetriebe im Mühlviertel
Für die Lehrlingssuche lassen sich daraus praktische Ideen ableiten. Entscheidend ist, dass die Informationen zum tatsächlichen Ausbildungsalltag des Betriebs passen.
1. Ausbildung erlebbar machen
Ein Schnuppertag gibt jungen Menschen die Gelegenheit, Aufgaben auszuprobieren und Fragen zu stellen. Zeigt, welche Fähigkeiten sie lernen, wie ein typischer Arbeitstag aussieht und wer sie dabei begleitet. Auch kurze Einblicke von bestehenden Lehrlingen können Orientierung geben.
2. Klare Informationen geben
Eine gute Lehrstellenanzeige beantwortet konkrete Fragen: Welcher Lehrberuf wird angeboten? Wann startet die Ausbildung? Wie sehen Arbeitszeiten, Lehrlingseinkommen und Weiterbildungsmöglichkeiten aus? Wer diese Informationen verständlich aufbereitet, erleichtert Jugendlichen und ihren Eltern die Einschätzung.
3. Team und Erreichbarkeit zeigen
Stellt die Menschen vor, die für die Ausbildung verantwortlich sind. Beschreibt außerdem, wie der Standort erreichbar ist – etwa mit Bus, Bahn oder einer Fahrgemeinschaft. Ein Arbeitsplatz in der Region kann Wege verkürzen; ob das im Alltag funktioniert, hängt von Wohnort, Arbeitszeiten und Verkehrsverbindungen ab.
4. Den Erstkontakt einfach gestalten
Eine benannte Ansprechperson und ein klarer nächster Schritt helfen beim Einstieg. Zum Beispiel: kurz anrufen, eine Nachricht senden oder einen Schnuppertermin vereinbaren. Sagt dazu, welche Unterlagen tatsächlich gebraucht werden und wann Bewerberinnen und Bewerber mit einer Rückmeldung rechnen können.
Drei Fragen für Jugendliche und Eltern
- Was werde ich lernen? Fragt nach konkreten Aufgaben und dem Aufbau der Ausbildung.
- Wer unterstützt mich? Lernt Ausbilderinnen, Ausbilder und möglichst auch andere Lehrlinge kennen.
- Passt die Lehre zu meinem Alltag? Prüft Arbeitszeiten, Arbeitsweg und die Eindrücke vom Schnuppern gemeinsam.
Berufswünsche entwickeln sich durch Erfahrungen. Ein persönlicher Einblick kann helfen, Interessen besser einzuordnen und eine passende Ausbildung zu finden. Regionale Betriebe können dazu beitragen, indem sie ihre Lehrstellen und ihren Ausbildungsalltag sichtbar machen.
Du suchst eine Lehrstelle oder möchtest regionale Betriebe kennenlernen? Entdecke die Angebote auf Mühlviertel Jobs und nutze den Kontakt zum Betrieb, um offene Fragen zu klären.
Quellen und Einordnung
- FH Oberösterreich: Studie zum Berufsinteresse und Gender-Gap bei MINT-Berufen, 29. Mai 2026.
- MeinBezirk: Berufsziele der Generation Z in Urfahr-Umgebung, 23. September 2026.
Die Empfehlungen dieses Beitrags sind redaktionelle Ableitungen für die Praxis. Die regionalen Schulbeobachtungen und die österreichweite Befragung haben unterschiedliche Aussagekraft.
